Warum es Ihr Leben verändern kann, Gastfamilie zu werden

Als das Telefon klingelte und alle sahen, dass es Gaby war, die aus Ecuador anrief, hellten sich ihre Gesichter sofort auf. Sie versammelten sich rund um das Telefon und begannen Small Talk zu führen, so als ob sie sich jeden Tag sehen würden. Gaby, Lita, Sonja und Verena, vier Mädchen aus vier verschiedenen Ländern, die sich bis vor wenigen Tagen noch nie getroffen haben. Aber sie teilen eine Gemeinsamkeit, die tief geht: sie haben alle einen Schulaustausch in Prince George, British Columbia, gemacht und sie haben alle bei der gleichen Gastfamilie gewohnt, bei den Vogts.

Andy und Cheryl Vogt, die von allen vier Schülerinnen nach wie vor Mama und Papa genannt werden, haben sich vor über einem Jahrzehnt zum ersten Mal dazu entschlossen, eine Austauschschülerin aufzunehmen, und sie haben es nie bereut. Wir konnten mit ihnen einen Tag in Oslo verbringen, wo sie alle zum ersten Mal vereint waren (naja, fast alle). Andy und Cheryl sind mit ihrem Sohn Ben den ganzen Weg aus Kanada angereist. Verena, aus Österreich, kam von ihrem derzeitigen Zuhause in Berlin. Sonja kam aus ihrem Heimatland Finnland. Und Lita war die Gastgeberin und lokale Reiseführerin für sie alle! Leider konnte Gaby nicht kommen, aber es war klar, dass sie im Geiste (und am Telefon) dabei war.

Wenn man ihnen zusah wie sie Zeit miteinander verbringen und sich an ihre gemeinsamen Erfahrungen zurück erinnern, wurden einige Dinge schnell klar:

Erstens, die Vogts sind eine besondere Familie, nett, liebevoll und grenzenlos großzügig. Sie scherzen oft und lachen noch mehr. Vor allem Andy provoziert andere Leute gern bewusst, aber nur wenn es ein Lachen in ihr Gesicht zaubert.

Zweitens die Bindungen, die sie mit jedem der vier Mädchen geschlossen haben, sind etwas wahrhaft besonderes. Von Insider-Witzen zu in Ehren gehaltenen Erinnerungen, es sind Beziehungen voller Vertrauen, Geschichte und Bedeutung.

Letztendlich wäre keines ihrer Leben so ,wie es jetzt ist, wenn sie diese Erfahrungen nicht gemacht hätten und sie sind alle froh darüber. Wir konnten Geschichten hören von Sonja, wie sie aus ihrem Schneckenhaus herauskommt und an Selbstvertrauen gewinnt, von Gaby’s sich sprunghaft verbessernden Englisch, von den Vogts, wie sie die Welt bereisen um jede der Schülerinnen zu besuchen (sie waren in Norwegen und Ecuador und sogar bei Sonja’s Hochzeit in Finnland).

Die Vogts begannen ihre Reise als Gasteltern mit der klaren Absicht, zu geben. Sie wollten jungen Schülerinnen einen Platz geben, wo sie ein Jahr leben können, ein stabiles Unterstützungssystem während ihres Austauschaufenthaltes und die Erfahrung ihres Lebens bekommen. Im Gegenzug bekamen sie viel mehr zurück, als sie erwartet hatten. Sie konnten multikulturellen Austausch in ihrem eigenen Zuhause erleben, zusehen, wie ihre eigenen Kinder ihren Horizont erweiterten und weiser und selbstsicherer wurden, und was am wichtigsten ist, sie bekamen, wie sie selber sagen, vier neue Töchter.

Sicher, es war nicht immer Lachen und Sonnenschein. Es war Arbeit notwendig, harte Arbeit. Andy drückt es so aus: “Als Cheryl und ich damit begannen, sagten wir, wir werden die Kinder genau wie unsere eigenen behandeln. Es gibt keine Sonderregeln, es gibt keine besonderen Gefallen. Sie sind gleich wie jedes andere Kind in unserer Familie. Und damit gehen Gelächter, Aufgaben im Haushalt, einige Tränen und einige Auseinandersetzungen einher.”

Aber keine Schwierigkeiten könnten die Tatsache ändern, dass ihr Leben sich dank dieser jungen Frauen für immer verändert hat: “Sie haben unser Leben stark bereichert. Sie sind jemand mehr, den man liebt. Wir sind emotional stark verbunden mit diesen Mädchen. Du holst sie nicht einfach in dein Haus und schickst sie nach 10 Monaten wieder weg. Sie werden Teil deiner Familie. Und immer wenn deine Familie wächst, kannst auch du nur daran wachsen.”

Eine/n Austauschschüler/in aufzunehmen öffnet eine Welt voller Möglichkeiten, Erfahrungen und Bindungen, nicht nur für den/die Schüler/in, sondern auch für die Gastfamilie. Sonja’s Musikalität und Lerneifer, Verena’s kompromisslose Persönlichkeit, Gaby’s Schwierigkeiten mit und schließlich das Meistern der englischen Sprache, Lita’s große Ziele und ihre philosophische Natur, sie alle brachten etwas Neues und Schönes und in das Zuhause der Vogts. Was werden Sie in Ihres holen, wenn Sie Ihre Türen öffnen und Ihrer Familie ein neues Mitglied hinzufügen?